Hütchen Tutorial - Teil 3

Fortsetzung vom ersten und zweiten Teil.

VI. Krempe

Der Teil des Stoffes mit der Vlieseline ist ja schon ausgeschnitten. Diesen nun rechts auf rechts auf den restlichen Stoff legen und feststecken. Mit Nahtzugabe ausschneiden und zusammennähen. Dabei wieder ein klein wenig (1 mm) neben der Vlieseline bleiben.


Man sieht auch von außen ganz gut wo die Öffnung in der Vlieseline ist. Hier sternförmig einschneiden (sicherheitshalber nicht ganz bis zu Vlieseline) und die Zacken etwas kürzen. Die Nahtzugabe an den Rundungen vorsichtig einschneiden und die Krempe auf rechts drehen.


Anhand der Vorlage den Draht für die Krempe zurechtbiegen. Die Form muss nicht perfekt sein. Wichtig ist der richtige Abstand zwischen den Ecken. Außerdem sollten die Enden an der Seite sein und eher zu grade als zu stark gebogen.


Jetzt den Draht so:


zusammenrollen und in die Krempe stopfen. Die Nahtzugabe sollte entweder über oder unter dem Draht zu liegen kommen. Die Spitzen des Drahtes in die Hutspitzen schieben und mit Stecknadeln fixieren. Eventuell die Enden kürzen, sie sollten aber noch überlappen. Auch die Enden feststecken.


Jetzt so nah wie möglich an der Kante entlang nähen damit der Draht da bleibt, wo er ist. Ich habe es mit der Maschine gemacht und beim allerersten Hutversuch eine Nadel zerbrochen. Also langsam und vorsichtig! Vor allem dort, wo die Enden überlappen.


VII. Zusammensetzen

Jetzt ist alles so weit, dass daraus ein Hut werden kann. Die Krempe mit der verstärken Seite nach oben legen und den oberen Teil mittig darauf setzen und feststecken. Das geht am besten indem man die Stecknadeln von unten durch die Krempe zwischen Stoff und Pappe des Oberteils schiebt.


Die Nahtzugabe eventuell noch etwas einschneiden, nach innen umschlagen und festnähen. Dazu von außen durch die schon bestehenden Löcher in der Pappe und durch die Nahtzugabe der Krempe stechen. Und dann von unten, so dass man gerade neben dem Seitenteil rauskommt.


Jetzt kann man dem Hütchen schon etwas Form geben. Die Seiten der Krempe habe ich über ein Rundholz gebogen und die Spitzen dann nach unten gezogen.


Nun sollte man sich Gedanken machen, wie man das Hütchen am Kopf befestigen möchte. Entweder man macht es an einem dünnen Haarreif fest oder näht links und rechts Bänder an, die dann hinterm Kopf zusammengebunden werden. Dritte Möglichkeit wäre ein Gummiband. Das hat den Vorteil, dass keine Schleife da ist, die aufgehen könnte. Ich für meinen Teil bevorzuge den Haarreif (an den ich natürlich erst gedacht habe, als das Schweißband schon drin war).


Das Schweißband hat für ein Hütchen dieser Größe keine weitere Funktion als die Nähte und Nahtzugaben zu kaschieren. Es wird einfach am unteren Rand festgeklebt (man könnte sicherlich auch versuchen es per Hand mit ganz kleinen Stichen zu befestigen, aber ich steh’ zu meiner Faulheit).


Damit ist der Hut-Rohling fertig.

Das ist der Rohling vom ersten Versuch – ohne Reif – der ist einfach schöner geworden.

Viel Spaß beim Nacharbeiten und dem anschließenden Dekorieren.

Hütchen Tutorial - Teil 2

Fortsetzung vom ersten Teil.

III. Gerüst für das Hutoberteil

Wenn man das Schnittmuster für die Seiten hat, wird dieses auf das dicke Papier übertragen. Da es bei mir nicht auf das Blatt gepasst hat, habe ich es halbiert. Zusätzlich habe ich zwei kleinere Segmente ausgeschnitten.


Die beiden Hälften mit Tesa verbinden,


und die Nahtstellen mit den zusätzlichen Stücken hinterlegen.


Nun kommt der Draht. Mann kann für Alles den selben Draht verwenden, aber ich mag die Verarbeitung von Steckdraht, deswegen benutze ich ihn so oft es geht. Dem Geraniendraht habe ich erstmal grob die richtige Biegung verpasst und ihn dann mit Kreppklebeband an die Unterkante der Pappe geklebt.



Kreppklebeband, weil es sich besser formen lässt als Tesa und billiger ist. Das gleiche Spiel oben, nur dass ich hier aufgrund der Länge Draht von der Spule nehmen musste.



IV. Vlieseline und Zuschneiden

Das Gebilde in die richtige Form bringen und mittig auf die Krempen-Schablone setzen. Jetzt kann man die Form für die Hutöffnung übertragen.


Das Schnittmuster fertig ausschneiden und auf die Vlieseline (glatte Seite) übertragen. Das Gerüst verkehrt herum auf die Vlieseline legen und AUßEN entlang aufzeichnen. Beides ausscheiden – Nahtzugaben nicht vergessen. Eine Freundin hatte mir geraten auch die Seiten zu verstärken, aber ich habe feststellen müssen: Das macht nur Ärger und optisch keinen Unterschied. Also: Lasst es.


Die Vlieseline mit der rauen Seite auf die linke Stoffseite legen, genug Platz für Nahtzugaben lassen und aufbügeln. Darauf achten, dass auch die Ränder gut anhaften. Das Schnittmuster für das Seitenteil übertragen und ausschneiden. Dabei sicherheitshalber viel Nahtzugabe zu den Seiten und nach unten hin stehen lassen.

V. Oberteil beziehen

Den Deckel und das Seitenteil rechts auf rechts zusammenstecken. Darauf achten hinten anzufangen. Dabei etwa 0,5 mm Platz zur Vlieseline lassen.


Damit sich beim Nähen keine Falten bilden auch das Seitenteil hinten zusammenstecken. Dazu ein einer Seite die Nahtzugabe einschlagen. Deckel und Seiten zusammennähen. Das geht übrigens leichter als das Stecken – zumindest wenn man an den Seiten die Vlieseline weggelassen hat. Bei mir hat das ganze ordentlich rumgezickt und musste aufgetrennt werden. An der Seitenöffnung besonders aufpassen, damit der Stoff ordentlich liegt. Hat er bei mir nicht, aber noch mal auftrennen wollte ich nicht. Wer zu der ordentlichen Sorte gehört, versäumt jetzt noch alles.


Die Seitenöffnung wieder aufmachen, auf rechts drehen und über das Gerüst stülpen. Ja, es muss eng sitzen. Und ja, man muss etwas zerren.
Die Nahtzugabe nach Innen umschlagen. Mit der Ahle in etwa 5 mm Entfernung zur Unterkante in gleichmäßigem Abstand Löcher durch Stoff und Papier bohren. Eine Ahle macht das Leben an dieser Stelle wirklich einfacher. Nun ganz simpel den Stoff mit einem Überwendlingsstich am Pappgerüst festnähen.



Damit ist der obere Teil des Hütchens fertig. Morgen geht es weiter mit dem letzten Teil des Tutorials.

Hütchen Tutorial - Teil 1

Wie angekündigt kommt hier nun endlich die Anleitung für die Herstellung eines Hütchens. Leider leidet die Neuauflage des Hütchens etwas unter dem Vorführeffekt, aber auch daraus lässt sich was lernen.

Das Ganze ist recht umfangreich, deshalb werde ich das Tutorial in mehrere Teile aufspalten:
I. Vorbereitungen

Zuerst einmal sollte man sich Gedanken über das Aussehen des Hütchens machen:
  • Wie groß (breit/hoch) soll es werden
  • Welche Form soll die Krempe haben?
  • Sollen die Seiten gerade, schräg oder gebogen sein?
  • Welcher Stoff?
  • Welche Farben?
Das folgende Tutorial eignet sich für Hütchen mit geraden/schrägen Seiten ohne Biegung. Eventuell mache ich irgendwann noch eins für gebogene Seiten.

Die folgenden Auflistungen gelten für das Hütchen ohne irgendwelche Verzierungen.

Werkzeuge:
  • Schere
  • Kneifzange
  • Rundzange (optional)
  • Bügeleisen
  • Stecknadeln
  • Nähmaschine
  • Ahle oder dicke Nadel
  • Nadel
Material:
  • Papier für die Schablonen
  • Festes Papier oder Karton (300 g/m2) für die Seitenteile
  • Klebeband
  • Vlieseline S230 (die dickste, die es gab)
  • Stoff, 50 x 50 cm reichen für die von mir verwendeten Maße
  • Passendes Garn
  • Draht für das Oberteil, 1 mm Dicke reicht
  • Draht für die Krempe, 1,2 mm Dicke sollten es mindestens sein



II. Schnittmuster

Ich beschreibe jetzt einfach, wie ich auf das Schnittmuster gekommen bin.

Angefangen habe ich mit einem Oval, locker aus dem Handgelenk auf ein Blatt Papier gemalt. Das Oval ist ungefähr 11,5 cm lang und 10 cm breit. Dies ist später die Hutöffnung. Damit die Krempe an beiden Seiten schön aufgestellt werden kann, sollte sie an diesen Stellen etwa 5 cm breit sein. Bei mir läuft die Krempe vorn und hinten spitz zu.


Damit alles schön gleichmäßig ist, zweimal falten und am Rand ausscheiden.

Das Oval hat einen Umfang von etwa 35 cm. Ursprünglich wollte ich einen 10 cm hohen Hut mit einem oberen Umfang von 45 cm machen. Die Mathematik

Ich habe eine Formel, auf die kein anderer kommt! Wer den Fehler findet, darf ihn behalten!

sagt mir, dass ich dazu zwei Kreissegmente mit 35 bzw 45 cm Radius und gemeinsamen Mittelpunkt brauche. Nach dem Aufzeichnen habe ich vom inneren Kreis 35 cm abgemessen und nach außen verbunden. Alles ausschneiden, die Enden mit Tesa zusammenkleben und probeweise auf die Krempenvorlage kleben. Das Ganze auf den Kopf setzen und sich im Spiegel betrachten: Passen die Ausmaße überhaupt zum Gesicht?

Bei mir war die Antwort: Nein, der Hut ist zu hoch. Also kurzerhand auf 7 cm gekürzt.

Wer schrägere Seiten möchte, verkleinert einfach den inneren Radius etwas. Für andere Hutöffnungsgrößen gilt:

Öffnungsumfang = Radius des inneren Kreissegments

Weiter geht es im zweiten Teil.

Bàllajus

Dieses Stück hat mir wortwörtlich den Schlaf geraubt. Die Idee eine Soutache-Kordel so wellenartig mit Perlen zu verarbeiten, kam mir als ich nicht schlafen konnte, obwohl ich eigentlich übermüdet war. Die Sache ließ mir dann auch keine Ruhe, bis der Emboidery-Teil erledigt war.


Mit einer Nachtschicht war es jedoch nicht getan. Diesmal habe ich das Backing nicht angeklebt sondern ganz brav und fast ordentlich angenäht - diesen Part muss ich noch üben. Und dann brauchte ich noch eine Schlaufe. Diese habe ich dann nach einigen Fehlversuchen aus Blumendraht gewickelt.


Proof of Principle

Gestern wollte ich zum Flanieren mal eine Haarspange tragen, die ich auf dem WGT gekauft hatte. Dumm nur dass sie so gar nicht in meinem Haar hält. Allerdings habe ich noch einen Kamm mit Gummi, der bombenfest hält und die Frisur lässt sich auch sehen. Also habe ich kurzerhand die Spange an dem Kamm fest gebunden und - tadaa! - fertig war der steamige Haarschmuck.

Nun war die Überlegung: So was müsste sich doch auch aus Draht biegen lassen. Meine ersten Versuche sind vollkommen fehlgeschlagen aber irgendwann hatte ich dann den Dreh raus - nur war dann der Draht alle. Deswegen hier nur das Mittelstück mit den ersten vier Zinken. Bei Gelegenheit wird es erweitert. Und dann das Ganze noch in Messing...


Verdandi

Wie schon erwähnt wollte ich ein Collier entwerfen, dass die Machart und verwendeten Perlen der Trinoqs aufnimmt. Da die Trinoqs ursprünglich als ergänzendes Accessoire für das Elspeth's Collar entstanden sind, lag es nahe diese Technik aufzugreifen.

Daraus sind dann Kreise geworden, verbunden durch Stränge - so ein richtig pompöses Teil. Die Kreise lassen sich sicher auch noch anders verarbeiten. Vielleicht kann man auch eine Rivoli-Fassung...

Bevor ich jetzt wieder einen Kreativität-Overflow kriege, hier die Bilder:




Gut geschnürt

Korsetts kann man ja inzwischen in Hülle und Fülle übers Internet kaufen und sich auch Maßschneidern lassen. Nun ist es aber so, dass ich bei Internetbestellungen ein ganz besonderes Händchen habe, dass mir der Kram meistens nicht passt. Tatsächlich war sogar das "maßgeschneiderte" Korsett zu groß.

Beim Aethercircus habe ich dann am Your Shape Stand von Sandra Wolf ein Korsett gesehen und mich geradewegs darin verkuckt. Brauner Nadelstreifen mit wunderschönen Applikationen vorn und einer niedlichen Borte am oberen Abschluss. Aber natürlich nicht in meiner Größe. Da noch andere Projekte durch meinen Hinterkopf geisterten dauerte es eine Weile, bis ich mich dann endlich entschlossen hatte, so ein Korsett fertigen zu lassen.


Das gute Stück ist dann auch rechtzeitig zur Machina Nostalgica eingetroffen und wurde auch sofort Probe getragen. Es passt sehr gut und lässt sich auch bei enger Schnürung noch angenehm tragen. Außerdem mach es eine wirklich schöne Form. Bin definitiv begeistert und sehr zufrieden.


Jungle Cherry


Hier ein paar kleine Schmuckstücke, die sich schon länger vorm Phototermin gedrückt haben.


Ich liebe ja die Kombination von Weinrot und Dunkelgrün. Deswegen spukt in meinem Hinterkopf auch schon der Entwurf für ein Collier herum.


Federica

Für eine Freundin, die sich schon die grünen Trinoqs unter den Nagel gerissen hatte, sollte es auch ein passendes Collier geben. Die ganze Aktion war etwas hektisch, da nur zwei Wochen für die Realisierung Zeit war.

Ursprünglich wollte ich etwas machen, dass nicht nur die Farbe, sondern auch Perlen- und Machart der Trinoqs aufnimmt. Das gefiel jedoch nicht - was mich aber nicht davon abhält diesen Plan weiter zu verfolgen, nächste Woche mehr dazu. Schlussendlich sollte es dann die Federica sein.

In der Anleitung stehen Pearls, aber ich habe °8er Rocailles verwendet, das funktioniert genauso gut.